Club-Abend mit Eberhard Wolf: Fotos aus dem Nähkästchen

Ein Wiedersehen gab es für die Mitglieder der Fotografischen Gesellschaft Trier mit ihrem ehemaligen Vereinskollegen, Prof. Eberhard Wolf. Er gestaltete nicht nur einen spannenden Club-Abend am 5. Oktober, sondern zeigte den Mitgliedern darüber hinaus bei einem Foto-Walk durch Trier-Pallien und in einem Workshop neue Möglichkeiten der experimentellen Fotografie auf. Zum Club-Abend begrüßte ihn Vorsitzende Rita Grotowski sehr herzlich. Eberhard Wolf arbeitet als Fotograf, Dipl.-Designer und Autor. Als Art Director war er unter anderem für die Zeitschriften Natur, Capital und PAN sowie für die Süddeutsche Zeitung tätig. Für seine Natur- und Landschaftsaufnahmen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Darüber hinaus wirkte er als Jurymitglied zahlreicher Fotowettbewerbe und als Dozent für Design an der Deutschen Journalistenschule und der Akademie der Bayerischen Presse.
In seinem lebendigen Vortrag erläuterte Wolf einige Grundprinzipien der Fotografie, hier unter dem Aspekt der visuellen Kommunikation. Konzentration auf ein Thema, ja sogar die Entwicklung eines eigenen fotografischen „Lebensthemas“ sind für ihn wichtig. Damit könne man eine eigene Handschrift in seinen Fotos entwickeln.
Die Theorie reicherte er mit vielfältigen Beispielen aus seiner Fotopraxis an, die alle unter einem Thema stehen. Wolf fotografiert Serien zu Industrieanlagen, Naturphänomenen oder auch Szenen aus Städten, wie zum Beispiel New York. Dabei nimmt er nicht den Blickwinkel des Touristen ein, sondern wählt auch hier ein Thema: Seine Aufnahmen aus New York setzen gekonnt Schärfen und Unschärfen ein, so dass besondere Bilder entstehen. Oder: Mit viel Liebe zum Detail schafft es Wolf sogar, den Inhalt eines Nähkästchens interessant zu machen.

„Zitronenpinsel“ und „Tulpenfüller“
Außerdem schafft er mit der Kamera kreative Bilder, die schon als Kunstwerke gelten können. Da entstehen surrealistische Szenen, wie zum Beispiel ein „Zitronenpinsel“ oder ein „Tulpenfüller“ oder ein Selbstporträt mit Mandarine als Kopf. In der Serie „Time Tunnel“ zeigt er scheinbar „normale“ Motive aus Trier, die bei näherem Hinsehen einen Gang durch die Zeit darstellen. Ein Foto von der Napoleonsbrücke im Stadtteil Pallien weist auf verschiedene Epochen hin, die an diesem Ort ihre Spuren hinterlassen haben. Da wird man in Trier mit seiner 2000-jährigen Geschichte natürlich sehr gut fündig.

Und wie gelingen solch faszinierende Aufnahmen? Dazu braucht es im Prinzip drei Voraussetzungen: „Vorbilder, ein gutes Konzept und Reduktion“, so Wolf.
Für seinen präzisen und spannenden Vortrag gab es herzlichen Beifall.
Wer jetzt neugierig auf Fotos von Eberhard Wolf geworden ist, kann sich auf seinen Websites viel anschauen:
eberhardwolf.com und eberhardwolf-art.de
Artikel: Gaby Jacquemoth
