Matthias Jens

Mein gläsernes Auge

Als ich acht war, schenkte mir mein Vater eine Instamatic 50 und ging mit mir spazieren, er wies mich in den Bildaufbau ein. Angesichts von Filmen mit 12 oder 36 Bildplätzen ging es darum, erst hinzuschauen und dann im Kopf bereits ein „Foto“ zu haben. Erst danach konnte der Auslöser gedrückt werden.

Die spätere Digitalfotografie ermutigte mich mehr zu Experimenten.(z.B. „Geschwindigkeit“ darzustellen) Auch mit den Möglichkeiten einer modernen Kamera und Filtern. Das „Hoppla – da stimmt etwas auf dem Bild nicht“ beim Betrachter auszulösen, motivierte mich besonders. Also Fotos zu machen, bei denen der Betrachtende stutzt, verweilt und noch einmal hinschaut.

Jedes Foto ist Interpretation der Wirklichkeit. Erst im Gespräch mit dem Betrachter wird meine „Sichtweise“ bestätigt oder im dialektischen Sinne (hin)aufgehoben. Fotos müssen die dargestellten „Geschichten“ mit der ihnen eigenen Grammatik erzählen können, dazu kann auch die lyrische meiner „Silhouetten“ gehören.

Fotos sind Sprache. Ein Bild, das man erklären muss, ist wie ein Witz, den man erklärt – und verdorben hat.
Ansonsten reise und schreibe ich viel, unterwegs entstehen gerne auch wertschätzende Portraits von Begegnungen in aller Welt, Streetfotografie und Architekturfotos. Die Andersartigkeit fremder Kulturen beredt zu machen, ist mir ein Anliegen.

Technik muss ich nicht viel haben. Mit den Möglichkeiten einer Kamera Bilder zu schaffen, die ästhetisch sind, befremdend oder träumerisch, reizt mich. Auch der besondere Moment ist immer wieder eine Herausforderung für mich. Oder einfach ein Fundstück auf der Straße, die sog. „Pavement Pattern“.

Letztlich ist das Auge des Fotografen nicht die Technik entscheidend.

Nach oben scrollen