Vortrag und Workshop von und mit Herlinde Koelbl

20.03.2007

Vortrag und Workshop von und mit Herlinde Koelbl

“Ehrliche Fotos kosten Kraft”

Von unserem Mitarbeiter
HANNS-WILHELM GROBE TRIER.

“Gute Fotografen sind wie gute Friseure. Man sieht nicht, dass man dort gewesen ist!” So bringt es eine der renommiertesten Fotografinnen der Welt, Herlinde Koelbl, auf den Punkt. Zwei Tage war sie in Trier, um auf Einladung der Fotografischen Gesellschaft Trier ihre Arbeit zu erklären und zwölf Teilnehmern in einem Workshop das “Wie” eines ehrlichen Fotos nahe zu bringen. 

“Herlinde Koelbl” – der Name ist Programm. Ihre Fotos in zehn Büchern sind weltberühmt. Ihr umfangreiches Werk als “Spätberufene” in der Fotografie – sie hat früh geheiratet und vier Kinder – präsentierte sie am Freitagabend in einer Gemeinschaftsveranstaltung der Fotografischen Gesellschaft Trier und der Volkshochschule. “Man sieht, was man weiß”, zitiert die Kulturjournalistin Eva-Maria Reuther Fontane, die die Diskussion mit der Bildkünstlerin moderierte. Einfach abfotografieren reicht Herlinde Koelbl nicht. Sie bereitet sich intensiv für Themen und Menschen vor. Ihre Bilder versprühen ihre Nächstenliebe und zeigen ihr ehrliches Interesse am Mitmenschen.

“Jüdische Porträts” und “Starke Frauen”

Dazu wird sie auch ihre zwölf Porträt-Workshop-Azubis einen Tag lang ermuntern. Körpersprache spiele eine wichtige Rolle im Kontakt von Fotografen und Porträtierten, aber auch bei der Bildaussage. Und gerade im schnellen digitalen Zeitalter nimmt sich die “Grande Dame” der Fotografie alle Zeit, langsam zu sein, und sich auf Menschen und Themen einzulassen.

Herlinde Koelbls erzählt anekdotenhaft in der Trierer Volkshochschule über die sichtbaren Spuren von neun Jahren Macht bei Schröder, Merkel und Fischer. Ihre Männerfotos dokumentieren Liebe, Hingebung und Aggression: “Was wäre die Welt ohne Männer? Etwas ärmer, aber friedvoller”. Oft arbeitet sie mit Laien, die durch ihre Augen und Gestik Eindruck bei ihr gemacht haben. “Ich habe keinen Mann vorher nackt gesehen”. Allen rückt sie körperlich nah und ohne Zoom “auf die Pelle” und bricht die gesellschaftliche Distanz. Ähnlich einprägsam hat sie in fünf Jahren “Jüdische Porträts” erarbeitet: Der Jüngste war 70, die Älteste 94. Ein optisches Denkmal hat sie auch ihren Eltern gesetzt: ihre mit dem Tod erloschene letzte Schönheit. Fotos, die sie auch nach zwölf Jahren Abstand noch stocken lassen. Ihren Blicken in die Schlafzimmer und Wohnzimmer der Welt und auf “Starke Frauen” folgen in diesem Herbst Arbeiten rund um das Thema “Haare”. Die Magie des Schaffens von Fotos in der Philosophie von Herlinde Koelbl erschließt sich zwölf Fotografiefreunden in einem Ganztagsseminar der Fotografischen Gesellschaft im Robert Schuman-Haus. Zu ihrer Antwort auf das “Wie?” gehört auch: “Nicht die Kamera macht das Bild, sondern Sie! Suchen Sie das Licht und das Leuchten in den Augen”. Viel schwieriger wird es, dem Fotografierten die Maske zu entreißen. Diese Maske haben, so lernt man in Koelbls Tagesseminar, nicht nur Politiker wie Gerhard Schröder oder Angela Merkel.

Die Kamera allein macht nicht das Bild

Vom Talent, dem Können, dem Einfühlungsvermögen und der Präsenz des Fotografen bei der Arbeit hängt es ab, ob Mann und Frau diese vor der Kamera fallen lässt und sein wahres Gesicht zeigt. “Bringen Sie sich beim Fotografieren ein. Nur dann kommt vom Fotografierten auch etwas zurück!”. Dabei müsse man die gesellschaftliche Distanz von einem Meter auch unterschreiten. Nach vielen vollen Speicherkarten ist die Begeisterung ungebrochen über eine große Fotografin. “Kommen Sie wieder” klingt es mehrfach von den zwölf Teilnehmern, die viele ehrliche Fotos von sich mit nach Hause nehmen können.

Herlinde Koelbl (Mitte) erklärt die Bedeutung des richtigen Lichts. Hier gibt sie mit Kunstlicht Unterlicht für den porträtierten Richard Krings.
TV-Foto: Hanns-Wilhelm Grobe
www.riesNtertainment.com

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