Ausstellung: “Das andere Ich entdecken” (Richard Krings)


09.11.2004

Ausstellung: “Das andere Ich entdecken” (Richard Krings)

TRIER. (mew) Neue Sichtweisen auf das Selbstbild eröffnen – dieses Ziel hat sich Richard Krings gesetzt. Seit seiner Schulzeit ist er mit der Kamera unterwegs, vor einem Jahr hat er die Studiofotografie für sich entdeckt.

Sowohl in einem, den Models unbekannten Raum als auch in gewohnter Umgebung hat er Menschen abgebildet, wie sie sich bisher selten gesehen haben. Am Ende des Schaffensprozesses stellten sie sich oft die Frage: “Bin ich das wirklich?”

Die E-Mail mit Foto im Anhang reiste bis nach Sibirien. Dort sorgte sie für Aufsehen. Die Eltern waren begeistert. Ebenso die Fremdsprachenassistentin, die Richard Krings vor einem antiken Spiegel fotografiert hat. Im Grunde hat er sie gar nicht ins Visier genommen. Vielmehr ist es nur ihr Abbild, auf das er die Linse gerichtet hat, was dem Foto eine spannende Perspektive verleiht. Der skeptisch-verträumte Blick der jungen Frau scheint die Thematik des Menschenbilder-Zyklus beinahe herauszuschreien: “Bin ich das?”

Den Schaffensprozess erleben

Dass der gebürtige Mainzer eine ausgeprägte Affinität zum direkten Kontakt mit Menschen hat, spiegelt sich sich sowohl in seiner Berufswahl als auch in seinen Leidenschaften wie Reisen und Fotografieren wider.

“Ich möchte jemanden abbilden, wie er sich selbst nicht kennt”, erklärt der Gymnasiallehrer seine aktuelle Ausstellung im Evangelischen Elisabeth-Krankenhaus. Dass ihm das nicht immer gelingt, erachtet er als natürlich. Gefallen gefunden hat er am Gestalten. Er erlebt den gesamten Schaffensprozess vom Arrangieren eines Motivs bis hin zum Aufhängen der gerahmten Kunstwerke.

Besonders fasziniert ihn die Enge eines Foto-Studios. Die Eingrenzung des Raumes fokussiere die Konzentration allein auf die Arbeit. Dennoch zieht es den Geschichte- und Kulturfan immer wieder in die Ferne. Stets im Gepäck: seine Canon 10 D-Spiegelreflex-Kamera. Dass er digital fotografiert, beurteilt er rein pragmatisch: Sein “elektronisches Labor” – so nennt er seinen Computer – sei eben mobiler als eine Dunkelkammer. Für den wandelnden Wohnmobilfreak ist dies von enormem Vorteil und hat keine Aussage über die Qualität der Fotos. Von den Verfremdungsmöglichkeiten, die diese Technik bietet, distanziert er sich. Er sucht das echte Leben, aber aus einer anderen Perspektive, um den Motiven eine neue Sichtweise ihrer Persönlichkeit vor Augen zu führen.

Vielfalt menschlicher Charaktere

Ergebnis seiner aktuellen Arbeit sind 75 Aufnahmen, die die Vielfalt menschlicher Charaktere und Lebenslagen entfalten. Ein besonderes Auge für das Alter beweist Richard Krings in seinen Senioren-Studien: Altersflecken erlangen plötzlich eine ungeahnte Ästhetik.

Den Ort seiner Ausstellung hat der Trierer ganz bewusst gewählt: “In einem Krankenhaus ist der Alltag selten schön, und ich möchte gerade hier kleine Lichtblicke setzen.”

Senioren-Studien sind ein Aspekt der Menschenbilder-Serie von Richard Krings.

  Foto: Melanie Wollscheid

© Intrinet 2004. Alle Rechte vorbehalten.

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