Ausstellung: “New York – trierisch gesehen” (Stephen Levine)

10.07.2006

Ausstellung: “New York – trierisch gesehen” (Stephen Levine)

New York – trierisch gesehen
Der Wahl-Trierer Stephen Levine stellt Bilder aus seiner Heimatstadt New York aus

TRIER. Ohne seinen Fotoapparat geht Stephen Levine, einst erster Trompeter am Städtischen Orchester Trier, so gut wie nie aus dem Haus. Der gebürtige Amerikaner, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt, stellt noch bis zum 2. August Fotografien aus dem New York der Jahre 1961 bis 1964 im Café Zur Steipe am Trierer Hauptmarkt aus.
Von unserer Mitarbeiterin
ALEXANDRA KIESSLING

Stephen Levine hat die Welt schon immer durch die Linse betrachtet. Als 15-Jähriger beglückte er seine zwei Schwestern nach einer USA-Rundreise mit Bärenfotos. Als 24-Jähriger lichtete er seine Musik-Kollegen im Orchestergraben in Connecticut ab, und auch heute, wenn er durch die Straßen Triers schlendert, hat der gebürtige New Yorker seine Fotokamera immer griffbereit. “Ich bin ein “Street-Photographer”, ein Straßenfotograf”, sagt Levine und fügt hinzu: “Wenn ich ein schönes Motiv sehe, drücke ich ab. Ob das Bild etwas wird, sehe ich erst später.”

Dass viele dieser Bilder “etwas werden”, beweist eine Auswahl seiner Aufnahmen aus dem New York der Jahre 1961 bis 1964, die noch bis zum 2. August im Café Zur Steipe am Trierer Hauptmarkt zu bewundern ist. Von Coney Island über die 42nd Street bis hin zu den Straßen Brooklyns hat Levine seine Eindrücke festgehalten. “Ich habe damals noch in New York gewohnt und bin mit meiner Kamera durch die Straßen gezogen. Als ich die Bilder gemacht habe, wusste ich nicht, dass ich sie je ausstellen werde. Sonst hätte ich bestimmt noch viel mehr gemacht”, berichtet der 68-Jährige, der seit drei Jahren Mitglied der Fotografischen Gesellschaft Trier ist.

Das Fotografieren ist Levines Hobby, beruflich hat der Wahl-Trierer sich einer anderen Kunst gewidmet. “Ich habe Trompete gespielt. Am liebsten in Big Bands, aber davon kann man nicht leben. Also habe ich Musicals, Ballett, Tanzorchester – einfach alles gespielt”, sagt er. Seine Ausbildung absolvierte er an der renommierten Juilliard School of Music. Von 1974 bis 1989 hat Levine die erste Trompete am Städtischen Orchester in Trier gespielt. Aber dann haben akute Rückenprobleme seine Karriere beendet. “Ich konnte nicht mehr sitzen. Das ist natürlich schlecht, wenn man sechs, sieben Stunden am Tag üben soll”, sagt er. Und wie kam Levine zur Fotografie? “1962, als ich 24 Jahre alt war, habe ich meine erste Tournee gespielt. Ich war damals beim “Musical Carneval” unter Vertrag. Bei unserem ersten Stopp in Hartford, Connecticut, habe ich beschlossen, dass ich einen Ausgleich zum Tourneeleben brauche. Also habe ich mir eine alte Leica IIIc und ein Buch über Fotografie gekauft. Und dann habe ich angefangen, die Musiker und die Schauspieler zu fotografieren. So ging’s los.”

Zwei Jahre nach der ersten Tournee hat Levine seine Frau Ulrike kennen gelernt. Die gebürtige Frankfurterin, mit der er die Kinder James, Esther und Andrew hat, arbeitete damals als Krankengymnastin in New York. Aber nicht durch seine Frau, sondern durch den Kölner Trompeter Walter Holy bekam Levine den Anstoß, nach Deutschland zu gehen. “1968, ich habe gerade in My Fair Lady gespielt, gab die Capella Coloniensis aus Köln ein Konzert in der berühmten Carnegie Hall. Dort habe ich Holy kennen gelernt. Er ließ mich am nächsten Tag in seinem Hotelzimmer vorspielen und meinte dann, ich solle nach Deutschland kommen, ich könne dort eine Stelle haben.” Über Frankfurt, Göttingen und Stuttgart führte ihn sein Weg schließlich nach Trier. “Trier ist schön. Hier kann man sehr gut leben. Wir haben hier ein Haus mit Garten – wunderbar. In New York hat das fast keiner”, sagt Levine. Den größten Unterschied zwischen Trier und New York macht für ihn die Schnelligkeit aus. “In New York muss alles ganz schnell sein: Egal ob laufen, sprechen, einkaufen. Hier ist alles viel gemächlicher”, sagt er. Nur ab und zu vermisst der Brooklyner die Hektik seiner Heimatstadt: “Trier ist wunderschön, aber gelegentlich muss ich hier raus. Dann fahre ich in die Ferne, mache Fotos – und schon ist wieder alles okay”.

Die Fotografie ist für ihn mehr als nur ein Hobby: Stephen Levine betrachtet die Welt durch die Linse. Derzeit präsentiert er im Café Zur Steipe seine erste Ausstellung. Foto: Alexandra Kiessling

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